
Digitale Souveränität ist längst mehr als ein politisches Schlagwort. Sie ist eine strategische Leitplanke für eine selbstbestimmte, resiliente IT – und damit auch die Voraussetzung für ein hohes Sicherheitsniveau.
Wer sich heute mit Sicherheitspolitik in Europa beschäftigt, stößt schnell auf den Begriff der digitalen Souveränität. Aber was verbirgt sich dahinter genau? Wie hängt digitale Souveränität mit Cyber Security zusammen? Und welche Schritte können Privatpersonen und Unternehmen gehen, um „digital souverän“ zu sein?
Fehlende digitale Souveränität führt zu Cyber-Risiken
Je nach Kontext wird digitale Souveränität unterschiedlich definiert. Im Kern steht aber stets die Fähigkeit zur digitalen Selbstbestimmung. Es geht darum, dass du – ob als Privatperson, Unternehmen oder ganzer Staat – Kontrolle über deine Daten und Software behältst.
Wenn hingegen eine hohe Abhängigkeit zu externen – oft ausländischen – IT-Infrastrukturen, Softwarelösungen und Dienstleistern besteht, ergibt sich aus Sicht der Cyber Security ein grundlegendes Problem: Die eigene IT-Basis lässt sich nicht mehr unabhängig steuern und prüfen. Sicherheit setzt jedoch Kontrolle und Transparenz voraus.
Als Folge solcher Abhängigkeiten können sich unter anderem folgende Risiken ergeben:
Handlungsempfehlungen für höhere digitale Souveränität
Völlige digitale Autarkie – also das komplette Entwickeln und Betreiben aller IT-Systeme im eigenen Haus oder Land – ist in der heutigen vernetzten Welt weder realistisch noch wirtschaftlich. Dennoch gibt es für Unternehmen eine Reihe von Maßnahmen, um einen höheren Grad an Kontrolle zu gewährleisten:
Auch als Privatperson kannst du gezielt auf deine digitale Unabhängigkeit achten – sei es durch die Nutzung von Open Source Software, Datensparsamkeit bei Online-Diensten oder den Einsatz eines kleinen Netzwerkspeichers (NAS) in den eigenen vier Wänden.
Fazit
Bei digitaler Souveränität geht es nicht um eine möglichst weitreichende Abschottung. In der Praxis ist es kaum möglich, beispielsweise Hyperscaler komplett zu vermeiden und auch bei Software kommt es immer wieder zu Zielkonflikten. So stammen viele der fortschrittlichsten Sicherheitslösungen – sei es die KI-gestützte Bedrohungserkennung oder das Cloud-SIEM-System – von US-amerikanischen Herstellern.
Im Mittelpunkt steht vielmehr die gezielte Verringerung von Abhängigkeiten und der bewusste Umgang mit Risiken – auch wenn dabei Kompromisse unabdingbar sind. Fakt ist: Je mehr Kontrolle du über deine Systeme hast, desto wirksamer können sie auch geschützt werden. Und genau darin liegt der enge Schulterschluss zwischen digitaler Souveränität und Cyber Security.
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Ralph-Scott Wenighofer
Chief Security Officer
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